Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.
AKTUELLER DEUTSCHER FILM | REGIE: VALESKA GRISEBACH
• Preis der Jury - IFF Cannes 2026 (Wettbewerb)
Für Ausgrabungen in ihrer bulgarischen Heimatregion, an der Grenze zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei, kehrt die Archäologin Veska nach Svilengrad zurück. Dort begegnet sie unverhofft Saïd wieder, einem alten Bekannten, dessen Auto gestohlen wurde. Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu verbringen. Es ist ein glücklicher Tag voller Vertrautheit, wie ein Versprechen. Am nächsten Morgen ist Said verschwunden. Veska hat von seinen dubiosen Geschäften mit Benzinschmuggel erfahren und begibt sich auf seine Spur. Wegen zurückgelassener Fracht gerät sie mit ihren Freunden in direkte Konfrontation mit kriminellen Gruppen der Region – und dringt dabei immer tiefer in die verborgenen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des großen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatzten Träumen, Gewalt und schnellem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mächtigen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Veska ist gezwungen, sich ihren eigenen Erinnerungen, auch eigenem Begehren, zu stellen. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu schreiben.[n. filmportal.de/Produktion ] | Mit ihrem vierten Spielfilm (zwischen 2002 und 2025, neben dokumentarischen Arbeiten und anderer Projektmitarbeit) kehrt die Berliner Autorenfilmerin Valeska Grisebach (*1968,Bremen) neun Jahre nach dem vielfach preisgekrönten WESTERN(2017) wieder nach Bulgarien zurück und verbindet die Zeit nach der politischen Öffnung 1989 mit der europäischen Gegenwart. Auch diesmal arbeitete Grisebach wieder mit nicht-professionellen DarstellerInnen. Dabei findet die Bulgarin Yana Radeva in der Hauptrolle des Veska bei der Kritik große Würdigung. Grisebach, die ab 1993 in Wien an der Filmakademie studierte, zählt seit SEHNSUCHT (2006) in Deutschland zur sogenannten „Berliner Schule“, parallel zum Kreis des Neuen Österreichischen Film/Viennese new wave. Sie schreibt: „Ausgangspunkt waren u.a. Gespräche mit Leuten meiner Generation in Bulgarien, die zur Zeit des Mauerfalls in Berlin 1989 jung waren. Es hat mich berührt, wie sehr wir als Europäer durch die Wende verbunden und gleichzeitig durch ganz unterschiedliche Erfahrungen in den Nachwendejahren getrennt sind. (…) Deshalb war es mir wichtig, dass dem Kriegerischen eine andere Erzählung von Freundschaft und Solidarität gegenübersteht. Damit meine ich weniger die romantische Liebe als die Liebe, die sich durch Empathie zeigt, sich dem anderen zuzuwenden und zu versuchen, ihn zu verstehen.“
„Einer der besten deutschen Filme des Jahres.“_(Moviepilot)
“Eine der schönsten Heldinnen seit langem: Eine Frau in den besten Jahren, unerschütterlich in ihrer Abenteurerinnen-Ausstrahlung und Offenheit. Auf ihre eigene Art hält sie ihre weibliche Haltung in diesem Männeruniversum aufrecht. Darin liegt die ultimative Schönheit dieses unerschöpflichen Films: Mit seiner Heldin ein gefährliches Spiel zu spielen, in vollkommener Gelassenheit.“_(LE MONDE)
“[Grisebach] lässt … die Geschichte rhizomartig regional in die Breite und historisch in die Tiefe wachsen, holt Politik und Ethnien in die Erzählung, gesellschaftliche Verwerfungen und natürlich die Geschlechterverhältnisse. Doch nie hat sie es dabei eilig und mäandert, wo andere ins Ziel führen. (…) Wie in allen Filmen Grisebachs ist auch in diesem entscheidend, was scheinbar nebenher zutage tritt. (…) Kleine Gesten, ein hingeworfener Satz, eine weggeworfene Frucht, ein verweigerter Trunk, ein Blickwechsel.(…) Einen Besetzungscoup darf man sodann getrost die bulgarische Laiendarstellerin Yana Radeva nennen, die in der Rolle der Veska mit beeindruckender Souveränität auftritt. Ihre Figur muss niemandem mehr etwas beweisen, erst recht nicht muss sie irgendjemandem irgendetwas vorlügen, und mit Großspurigkeit kann man(n) sie auch nicht bedrohen. Sie ist eine gestandene Frau im besten Alter, stark, mutig und schön; sie ist eine Heldin, wie es sie im Kino noch viel, viel öfter geben müsste. _(epd-film)
“Ein großes Nachwende-Epos und die berührende Geschichte weiblicher Selbstermächtigung... Die Hauptdarstellerin Yana Radeva haut einen um.“_(Radio eins, Berlin)
„Valeska Grisebach spielt mit der Umkehrung von Konventionen und Geschlechterrollen und stellt die im Kino Männern und Frauen üblicherweise zugewiesenen Rollen auf den Kopf. Die Meisterleistung liegt darin, dass nichts an der Umsetzung dieser feministischen Umkehrung aufgesetzt oder erzwungen wirkt.“_(POLITIS FRANCE)
“[Grisebachs] Filme entstehen mit viel Zeit und verbinden einen dokumentarischen Blick mit gesellschaftlichen Einschreibungen. Inhaltlich kreisen sie um Begehren, Männlichkeitsrituale und die Frage, wie Menschen sich selbst und ihre Wirklichkeit erfahren.“_(filmdienst.de)
“Said verschwindet und Veska rückt in den Mittelpunkt. Dieser Wechsel ist Valeska Grisebachs Geniestreich: Sie überlässt ihren Film einer reifen, schönen, schweigsamen Frau, die die Situationen durchlebt, wie man eine Landschaft durchquert. Der Film kulminiert in einem kraftvollen, ruhigen Höhepunkt: In dieser Welt, in der alles mit Gewalt oder mit Geld geregelt wird, hat sich Grisebach für Worte entschieden. Und für eine Frau, die sie ausspricht.“
HARPER’S BAZAAR
“Das geträumte Abenteuer“ wandelt sich vor unseren Augen, als sei der Film aus einem einzigen Marmorblock geformt, der tausend gegensätzliche Stimmungen in sich trägt. Die Kamera erkundet die Facetten des Geländes auf der Suche nach dem, was dort vergraben liegt, was in der Vergangenheit dieser großartigen Figur Veska wirkt, in einer Bewegung der langsamen, andauernden Befreiung.“_(Liberation)
“(Grisebach) verkeilt den Kern der Handlung rund um die Ausgrabungsstätte und Veskas alltägliche Wege. Dann lässt sie die Geschichte rhizomartig regional in die Breite und historisch in die Tiefe wachsen, holt Politik und Ethnien in die Erzählung, gesellschaftliche Verwerfungen und natürlich die Geschlechterverhältnisse. Doch nie hat sie es dabei eilig und mäandert, wo andere ins Ziel führen. Beziehungsweise: Grisebach hat andere Ziele.
Wie in allen Filmen Grisebachs ist auch in diesem entscheidend, was scheinbar nebenher zutage tritt. (…) Kleine Gesten, ein hingeworfener Satz, eine weggeworfene Frucht, ein verweigerter Trunk, ein Blickwechsel. Es ist der Subtext der kriminellen Machenschaften, die ihren Ursprung im großen Umbruch zu Beginn der neunziger Jahre nahmen, der Veskas tatsächlich wie geträumtes, also eher unbewusst erlebtes Abenteuer prägt, Ausschläge ins Nachtmahrige inklusive.“_(epd-film)
Deutschland/Frankreich/Bulgarien/Österreich 2024-26 | fiktionale Form | Regie/Buch/Co-Produzentin: Valeska Grisebach | Co-Drebuch: Lisa Bierwirth | Bildgestaltung/Kamera: Bernhard Keller | Editorin: Bettina Böhler | Szenebild: Sabina Christova | Kostümbild: Eka Bichinashvili | Originalton: Momchil Bozhkov | Produzent:innen: Jonas Dornbach, Janine Jackowski, Maren Ade | DarstellerInnen: Yana Radeva (Veska), Syuleyman Letifov (Said), Stoicho Kostadinov (Ilya), Nikolay Shekerdjiev (Velko), Denislava Yordanova (Maria), Tiana Georgieva, Hristo Dimitrov, Hrsto Rumenvo, Rosen Peevski u.a. | dcp/ 1:1,85 | Farbe | DD5.1 | OmU (deutsch/bulgarisch/dtsch. UT | „FSK-Deskriptoren: sexualisierte Gewalt, Gewalt, Bedrohung“ | FSK: ab 12 J. | 164 Min. (Überlänge/keine Pause)
EP: € 5.00 Erm.: € 3.00
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