DIE UNSCHULD (MONSTER)

22.05.2024 20:00

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

AKTUELLES KINO AUS JAPAN   # 1   |   REGIE:  HIROKAZU KORE-EDA

·       Bestes Drehbuch (H. Kore-eda/Y. Sakamoto) + Queer Palm – Int. Filmfestival Cannes 2023

Unsere lose Reihe widmet sich mit aktuellen Werken dem japanischen Kino und startet mit der jüngsten Arbeit des international gefeierten Regisseurs Hirokazu Kore-eda (*1962). Eine kleinere regionale Stadt in Japan: Saori Mugino ist eine junge Witwe und Mutter. Ihre ganze Liebe gehört ihrem Sohn Minato. Als sich der Junge mehr und mehr zurückzuziehen beginnt, spürt sie, dass etwas nicht stimmen kann. Eines Abends springt Minato aus ihrem fahrenden Auto, behauptet im Nachhinein, er sei ein 'Monster', dessen Gehirn mit dem eines Schweins getauscht wurde. Entsetzt erfährt Saori, dass Minatos Lehrer Herr Hori Schuld sein soll an seinem merkwürdigen Verhalten. Aufgebracht legt sie in der Schule Beschwerde ein und verlangt Antworten. Sie glaubt, dass die Schulleitung sie mit Höflichkeitsfloskeln hinhält und ihr nicht die ganze Wahrheit sagt. Sie gibt sich nicht zufrieden und will der Sache auf den Grund gehen... | In drei Kapiteln erzählt der Film aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten (der Mutter / des Lehrers bzw. der Lehrerschaft / der beiden Schüler) die Geschichte zweier zehnjähriger Klassenkameraden, deren Freundschaft von anderen beargwöhnt wird. Ein Hochhausbrand, das seltsame Verhalten eines der beiden Jungs und die nicht weniger irritierenden Abwehrreaktionen der Lehrer verweben sich für den/die ZuschauerIn zu immer neuen Zusammenhängen oder Mutmaßungen. Erst im dritten Teil mündet der episodische Film in die Sicht der beiden Jungen – und findet mit dem Kern des Geschehens einen anderen (offenen) Blick auf das Ganze. [nach: Produktion/VisionKino/  ] 'Monster' lautet der japanische Originaltitel von Hirokazu Kore-edas neuestem Film, der erstmals nicht auf einem eigenen Drehbuch basiert, sondern nach dem Treatment von Yuji Sakamoto (*1967, Osaka), einem vielbeachteten und von Koreeda geschätzen Autor: “Sakamoto hat viele Figuren erschaffen, die mir niemals im Leben eingefallen wären“, so Kore-eda.
Der japanische Regisseur, Autor, Filmeditor und Produzent Hirokazu Kore-eda (*1962/Kiyose, Präfektur Tokio/JP), studiert zunächst Literaturwisschaft und arbeitete als Dokumentarfilmer für das Fernsehen und zählt zu den international renommiertesten und auf den großen Festivals vielfach ausgezeichneten Autorenfilmern seines Landes der Gegenwart und gilt als „der große Humanist des Weltkinos“(taz). Seine zurückhaltend wie präzise inszenierten Filme widmen sich meist familiären Themen und (wahl)verwandschaftlichen Beziehungen, immer mit gesellschaftlicher bzw. sozialer Relevanz (u.a. Maboroshi/1995, After Life/1998, Nobody Knows-Die Kofferkinder/2004, Still Walking/2008, Like Father, like son/2013, Unsere kleine Schwester-Unimachi diary/2015, Umi yori mo mada fukaku/After The Storm (2016) oder Sandome no satsujin/The third murder/2017. ) Shoplifters(2018) wurde als Bester Film beim Festival in Cannes mit der 'Goldenen Palme' prämiert.
Die vorletzten Filmen entstanden außerhalb Japans: 'la Vérité' (2019) in Frankreich, starbesetzt produziert, und 'Broker' (2022) in Südkorea in koreanischer Sprache. Für den wieder in Japan realisierten Die Unschuld/Monster konnte Kore-eda seinen langgehegten Wunsch der Zusammenarbeit mit dem weltbekannten japanischen Komponisten und Oscar®-Preisträgers Ryuichi Sakamoto (1952- 2023) verwirklichen. Es war die letzte Filmmusikarbeit des Tokioter Komponisten, Produzenten, Schauspielers und Musikers, der im März vergangenen Jahres verstarb. Der Soundtrack enthält zwei exklusiv neue Musikstücke, zusätzlich zu Arbeiten aus früheren Alben und seinem letzten Album „12“. Sakamoto komponierte neben seinen Arbetien im Jazz, Neo-Klassik und im Avantgarde-Pop u.a. die Filmmusik zu Merry Christimas Mr. Lawrence (1983), Der Himmel über der Wüste(1990),The Revenant(2015) und Der letzte Kaiser(1987), für Letztere erhielt er einen Academy Award (Oscar®), einen Golden Globe und einen Grammy.

“Die episodische Struktur begünstigt eine ungemein reiche Erzählung, die mit enormer Hingabe und erzählerischer Meisterschaft um jene Verbundenheit kreist, die aus Liebe und Zuneigung entsteht.“_(filmdienst.de)
„Kore-eda, dessen Kino stets auf die erlösende Kraft der Wahrheit drängt, hat sich diesmal also eine ganze Reihe von Hindernissen in den Weg gelegt. Immerhin summieren sich die Unwägbarkeiten und Widersprüche zu einem sozialen Klima der Voreingenommenheit, wo der Weg vom Gerücht zur Anschuldigung beklemmend kurz ist und die Konflikte in atemlosem Tempo eskalieren. Die Wirklichkeit ist fragil in diesem Film, zumal seine Hauptfiguren allesamt fehlbesetzt wirken in den Rollen, die ihnen die Gesellschaft zugewiesen hat._(epd-film)
„Das geht zu Herzen, wie fast immer bei Kore-eda. Wo es sonst oft aber auch humorvolle, leichtere Momente gibt, wenn sich alternative Familienkonstrukte zusammensetzen, da ist 'Die Unschuld' mit starken sozialkritischen Aussagen verbunden. Der wendungsreiche Film ist ein Appell für mehr Toleranz und Entgegenkommen. Dafür, anderen Menschen zu helfen, für sie da zu sein. Und eben ihnen zuzuhören und sich nicht darauf zu beschränken, vorschnelle Urteile zu fällen.“_(filmrezensionen.de)
„Die episodenhafte Erzählstruktur von DIE UNSCHULD – der Film [nimmt] zunächst die Perspektive der Mutter, dann des Lehrers und erst zuletzt des betroffenen Kindes [ein] - stellt das Publikum wiederholt die Annahmen infrage, die es zuvor gemeinsam mit einer Figur gemacht hat. Der elliptische Erzählverlauf lässt einzelne Handlungsstränge unerläutert, deren Erklärung die Zuschauenden sich erst nach Betrachten aller Perspektiven herleiten können. “_(VisionKino.de)
“Wer ist das Monster? - Während dem Schauen habe ich mich das oft gefragt und gedacht, die schuldige Person erwischt zu haben, aber man wird genial immer wieder dazu aufgefordert, alle Theorien aufzugeben und weiterzusuchen. Diese ganze Geheimniskrämerei lädt einen geradezu ein, sich selber Gedanken zu machen, was dort überhaupt stattfindet, denndas, was man sieht, ist nicht zwangsläufig die Wahrheit. Das multiperspektivische Drama entpuppt sich als Puzzle, welches das Motiv immer mehr zu erkennen gibt, je länger man schaut. Es ist schwer, DIE UNSCHULD auf eine bestimmte Altersgruppe zu begrenzen, denn es kann für ein breites Publikum interessant sein, sich auf dieses sehr gut ausgeklügelte Mysterium zu einlassen. Allerdings würde ich es, wegen der Verständlichkeit, eher ZuschauerInnen ab 15 Jahren empfehlen, die ein gewisses Interesse an der japanischen Kultur mitbringen, was jedoch nicht unbedingt nötig ist, da man dort auch einen Einblick bekommt.“_(eine Vertreterin der FBW-Jugend Filmjury, (17 Jahre)- JFJ-Empfehlung: ab 15 J.)
„Sensibel arbeitet Kore-eda heraus, wie schwer es für Heranwachsende sein kann, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Insbesondere dann, wenn die Menschen, die ihnen Orientierung bieten sollen, selbst gefangen sind in einem Korsett aus Konventionen, und mit Abweichungen, etwa von Geschlechterrollen, nicht umgehen können. Für sein Handeln verurteilt wird niemand in diesem meisterhaft erzählten Gesellschaftsbild. Denn Fehler gehören zum Leben dazu. Allerdings, so die Botschaft des Films, ist es nicht damit getan, sich zu entschuldigen – sondern daraus zu lernen und gemeinsam einen Ausweg zu finden.“_(BR24)

(Monster | 怪物 / Kaibutsu)  Japan  2023 | fiktionale Form | Regie / Schnitt / Co-Buch: Hirokazu Kore-eda; Co-Buch: Yuji Sakamoto; Produktion: H. Kroe-eda / Megumi Banse/Taichi Ito / Hijiri Taguchi; Kamera: Ryûto Kondô; Musik: Ryūichi Sakamoto; Szenenbild: Keiko Mitsumatsu; DarstellerInnen: Sakura Ando (Saori), Eita Nagayama (Hori), Soya Kurokawa (Minato), Hinata Hiiragi (Eri), Mitsuki Takahata (Hirona), Akihiro Kakuta (Shoda), Shido Nakamura (Kiyotaka), Yuko Tanaka (Fushimi) u.a. | DCP | Farbe | DD 5.1 |  OmU (japanisch / dtsch. UT); Pädagogische Empfehlung: ab 15 (VisionKino) | FSK-Deskriptoren: 'Deskriptoren: Gewalt,Selbstschädigung,Bedrohung' | FSK: 12 J. | 126 Min.

EP.: € 5.00
Mitgl.: € 3.00

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