POMPEJI: UNTER DEN WOLKEN

22.09.2026 20:00

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.

CINEAST*INNEN DES WELTKINOS   # 30 :   GIANFRANCO ROSI  (ITALIEN)

•    Spezialpreis der Jury - IFF Venedig 2025 (Wettbewerb)

Vergangenheit und Gegenwart, Fleisch und Asche, das Unermessliche und das Winzige:
erkundet der neueste Film des Meisterdokumentaristen Gianfranco Rosi (Seefeuer, Das andere Rom) erkundet in seinem neuen Werk den Alltag der Menschen in Neapel und der Region, einer Stadt, die permanent im Schatten des Vesuvs lebt. Unter der ständigen Bedrohung eines Ausbruchs geht das Leben unaufhörlich weiter. Der in Schwarzweiß gestaltete Film fokussiert auf ungewöhnliche Facetten wie etwa die Arbeit in einer Notrufzentrale der Feuerwehr, die Hausaufgabenbetreuung von Schulkindern durch einen alten Mann in einem Antiquariat – während die Erbe leise vibiriert - oder zwei syrische Seemänner, deren Schiff im Hafen Torre Annunziata von Neapel Getreide aus der Ukraine anliefert und die auf die Rückfahrt ins kriegsgebeutelte Odessa warten. Die Vergangenheit der antiken Lebenswelt von Pompeji, die 79 n. Chr. durch einen verheerenden Vulkanausbruch verschüttet wurde, schillert dabei immer wieder in die Gegenwarts-Ausschnitte: (Japanische) Archäologen spüren dieser Vergangenheit mit Ausgrabungen bei der Villa Augustea nach, Touristen besichtigten ihre Zeugnisse und Tunnel in der Region, die Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen, zeugen von ihrem Ausverkauf durch Grabräuber. Das Land am Golf von Neapel ist eine gewaltige Zeit-Maschine… [nach: Produktion/IFF Venedig/filmdienst]
Gianfranco Rosi (*1964, Asmara) zählt zu den renommiertesten wie eigenwilligsten Dokumentarfilmern des Gegenwartskinos. Für SACRO GRA/ DAS ANDERE ROM erhielt er 2013 als erster Dokumentarfilmer den #Goldenen Löwen# beim IFF in Venedig, für FUOCOAMARE/ SEEFEUER(2016) wurde er bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet (den er den BewohnerInnen von Lampedusa widmete). POMPEJI: UNTER DEN WOLKEN erhielt 2025 im Wettbewerb der IFF Venedig den Spezialpreis der Jury.
Konsequent verzichtet er in seinen Filmen auf Interviews Kommentare und erklärende Dramaturgie, sieht sich beim Filmen mehr auf einer Reise, sucht die Begegnung und das Narrative in der Realität selbst. Drei Jahre verbrachte er filmend im Großraum Neapel unter dem Vesuv, wo fast 3 Millionen Menschen leben. “Für diesen Fim wollte ich mit den Elementen des archäologischen Raumes, der Zeit und des Gedächtnisses/der Erinnerung arbeiten“, schreibt Rosi. „Ich wollte diese Idee entwickeln vom Vulkan als einer Gottheit, die sowohl zerstört als auch Wiedererschafft. Neapel ist ein Labor der Zukunft.“ |
Der deutsche Verleih hat dem italienischen Originaltitel SOTTO LE NUVOLE noch den Namen der 79 n. Chr. verschütteten römischen Stadt Pompeji vorangestellt.
Die Filmmusik komponierte der britische Musiker, Songwirter, Videokünstler, Komponist und  OSCAR®-Preisträger Daniel Blumberg ('THE BRUTALIST'/2025).

„(…) ruhige, betont zurückgenommenen Bilder (….). Kein didaktischer Dokumentarfilmregisseur ist der inzwischen 62-jährige Italiener Gianfranco Rosi, sondern ein dezenter Beobachter, ein genauer Sammler von Momenten und Impressionen, die er mit seiner zwar nicht neutralen, aber auch nicht agitatorischen Montage zu einem großen Ganzen formt.“_(taz/die tageszeitung)
„Eine visuell exquisite, inhaltlich dank ihres eigenwilligen Fokus inspirierende Annäherung, die die Region, die sie erkundet, nicht nur als Ort versteht, sondern als vielschichtiges Gebilde aus Landschaft und (Lebens-)Geschichte(n). Dabei geht es auch um die Grenzen menschlicher Gestaltungsansprüche und die Beziehungen zwischen Vulkanen, Natur, Kino, Krieg, Revolutionen, Kunst, Geschichte, Tod und Vergänglichkeit.“_(filmdienst.de)
„Der Film verweigert klare Thesen und vertraut auf die Kraft der Beobachtung. Mit stiller Aufmerksamkeit zeigt er eine Landschaft im Zustand latenter Alarmbereitschaft und Menschen, die darin ihren Alltag organisieren. Ruhig, unheimlich und von eigentümlicher Schönheit.“_(epd-film)
“Eine Dokumentation über Pompeji als Erinnerung und Mahnung für die Gegenwart. Gianfranco Rosis Film vereint unterschiedliche Eindrücke zu einer vielstimmigen Symphonie. Pompeji: Unter den Wolken mag ein kontemplativer Film sein, doch die Anspannung ist in jedem Bild klar zu erkennen. Neben Rosis Bildern spielt Fabrizio Federicos Schnitt dabei eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die einzelnen Episoden zu einem stimmigen Gemälde zu verbinden, in dem die Vergangenheit nicht vergessen ist, sondern als ewige Mahnung fortbesteht.“_(film-rezensionen)
„Gianfranco Rosi eröffnet »Pompeji: Unter den Wolken« aus der nervösen Gegenwart heraus: Stimmen aus Neapel auf der Suche nach Hilfe, jederzeit mit dem nächsten Zittern der Erde rechnend. Draußen liegt der Vesuv im Bild, ruhig und drohend zugleich. Von hier aus entfaltet sich Rosis Panorama einer Region, die unter der Oberfläche permanent in Bewegung ist. Drei Jahre hat der Regisseur rund um Neapel gedreht. (…) Die Kamera (bleibt) beobachtend, oft unbewegt. Rosi filmt selbst und montiert mit großer Geduld eine Folge von Situationen, Räumen und Stimmen, die sich erst allmählich zu einem Bild fügen.Das Schwarz-Weiß verleiht dieser Welt eine eigentümliche Schwebe. Staub, Dunst, Haut, Stein und Wolken erscheinen wie Teile derselben materiellen Geschichte.(...) Im Hafen weht Getreidestaub über die Körper der Arbeiter und erinnert an die Asche von 79 n. Chr. Rosi denkt in visuellen Rhythmen und Parallelen. Die Anrufe besorgter Bürger wegen Erdstößen hallen in die antike Katastrophe hinein. Grabräuber höhlen Erinnerung aus. Archäologen kämpfen um jedes Fragment. Die sparsame, experimentelle Musik von Daniel Blumberg, teilweise mit Hydrophonen und Geophonen aufgenommen, wirkt weniger wie ein Score als wie ein akustischer Untergrund. Der Vesuv bekommt so eine akustische Präsenz, ohne je spektakulär inszeniert zu werden. Rosi verbindet diese Fragmente zu einer Meditation über Zeit. Vergangenheit und Gegenwart existieren gleichzeitig: in den Ruinen, in den Gesprächen über Krieg und Migration, in einem verfallenden Kino, (...). Der Film verweigert klare Thesen und vertraut auf die Kraft der Beobachtung. Mit stiller Aufmerksamkeit zeigt er eine Landschaft im Zustand latenter Alarmbereitschaft und Menschen, die darin ihren Alltag organisieren. Ruhig, unheimlich und von eigentümlicher Schönheit.“_(epd-film)

(SOTTO LE NUVOLE)  Italien 2025 | dokumentarische Form | Regie/Buch (Konzept)/Kamera/Ton/Co-Produzent: Gianfranco Rosi | Schnitt: Fabrizio Fereco | Musik Daniel Blumberg | Location-Scout/Assistenz: Alberto Landolfi | Produzenten: G. Rosi/Donatella Palermo, Paolo Del Brocco | DCP | S/W | DD 5.1 | OmdU (Italienisch/Neapolitanisch/Syrisch-Arabisch/Japanisch/Englisch / dtsch. UT) | ‚FSK-Deskriptoren: ( - ) | FSK: ab 12 J. | 115 Min.

EP: € 5.00
Erm.: € 3.00

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