THE ZONE OF INTEREST

14.04.2024 11:00

Veranstalter / Text: Weitwinkel-Kommunales Kino Singen e.V.


CINEAST*INNEN DES WELTKINOS  # 18:   JONATHAN GLAZER  (GB)

•    Bester Internationaler Film + Beste Tongestaltung - OSCARS®/Academy Awards 2024
•    Grosser Preis der Jury + FIPRESCI-Preis – Int. Filmfestival Cannes 2023
•    Bester Ton - Europäischer Filmpreis 2023;
•    Bester Film + Beste Regie + Beste Hauptrolle + Beste Filmmusik - Los Angeles Film Critics Association Awards 2023
•    Mehr als 50 internationale Filmpreise (10/03/24)

„Nur eine Mauer trennt das geräumige Wohnhaus der Familie Höß vom Konzentrationslager Auschwitz. Die Rosen stehen in voller Blüte, der große Garten mit Wasserbecken ist der ganze Stolz von Hedwig (Sandra Hüller), der Ehefrau des Lagerkommandanten Rudolf Höß (Christian Friedel). Mit seinen fünf Kindern ist das Paar nach Auschwitz gekommen. Hier haben sich die beiden eine für sie angenehme Existenz, ein Familienidyll, aufgebaut. Weil Hedwig das privilegierte Leben in Auschwitz gefällt, will sie nicht weg, als Rudolf von Berufs wegen nach Oranienburg versetzt werden soll. Zumal sie vom Konzentrations- und Vernichtungslager – hinter der Mauer – profitiert... [n. Jury ev. Filmarbeit/epd] | Banaler Alltag, ein Ehekonflikt - und ein Menschheitsverbrechen. Der englische Regisseur und Drehbuchautor Jonathan Glazer (*1965/London; u.a. UNDER THE SKIN, BIRTH) wurde für seinen Film durch den gleichnamigen Roman (von 2015) des englischen Schriftstellers Martin Amis (1949-2023) inspiriert und entwickelte DIESEN in freier Interpretation und in fast experimenteller Konzeption weiter. Viele Geschehnisse seines in deutscher Sprache und u.a. mit deutschen SchaupielerInnen gedrehten Films, der nach Glazers Bekunden ausdrücklich keine Biografie oder 'Historiendrama' sein will, beruhen jedoch, fundiert recherchiert, auf auf historischen Tatsachen oder Berichten von ZeitzeugInnen. Gedreht wurde in Polen, zentrale Sets entstanden in unmittelbarer Nähe der realen Orte am ehemaligen KZ Auschwitz bzw. der heutigen Gedenkstätte. Glazers Film bleibt (beobachtend) dicht in der Perspektive des Ehepaar Höß, enthält sich aber psychologisierender Figurenentwicklung. Zum Ansatz seines Films – an dem er 10 Jahre arbeitete und der inzwischen mit über 40 internationalen Auszeichnungen bedacht, darunter 2 OSCARS® - äußert Glazer u.a.:“ „Es ging darum, eine Arena zu erschaffen. (...). Mein Ziel war es, den Kontrast einzufangen zwischen jemandem, der sich in seiner Küche eine Tasse Kaffee einschenkt, und jemandem, der auf der anderen Seite der Mauer ermordet wird – die Koexistenz dieser beiden Extreme. (..) In gewisser Weise ging es für mich tatsächlich um die Mauer: um den Horror, der darin besteht, dass das Ehepaar Höß in unmittelbarer Nähe des grässlichen Geschehens residierte und dazu fähig war, verschiedene Lebensbereiche strikt voneinander zu trennen. (…) Es wäre falsch, zu glauben, dass uns dieses Thema nicht mehr betrifft. Das tut es eindeutig, und – so beunruhigend das auch sein mag – es wird uns vielleicht immer betreffen. Deshalb wollte ich es aus einem modernen Blickwinkel betrachten.“ Glazer betont dabei die Gestaltung der auditiven Ebene (Ton/Sound/Musik): „Es gibt zwei Filme: einen, den man hört und einen, den man sieht." Produzent James Wilson ergänzt:“Die filmische Adaption war ein langer Weg, (..) der Schwerpunkt lag auf der auf der Erzählperspektive, (..)[der] Fokussierung auf die Täterperspektive. Wir fanden es wichtig, dass der Film nicht auf Mystifizierung oder Dämonisierung abzielt, sondern auf Identifikation. Das öffnet die Tür zu interessanten, unbequemen Fragen.“ |
Rudolf Höß wird portraitiert von Christian Friedel („Das weiße Band“, „Elser – Er hätte die Welt verändert“), die Rolle von Höß‘ Frau Hedwig spielt Sandra Hüller („Requiem“, „Toni Erdmann“).“Interessengebiet“ ist die von der nationalsozialistischen SS benutzte Bezeichnung für ein 40km2 großes, weitgehend abgeschirmtes Areal im unmittelbaren Umkreis des Lagerkomplexes Auschwitz, im deutsch besetzten Polen nahe Oświęcim, teilweise begrenzt durch die Flüsse Sola und Weichsel.
Regisseur Jonathan Glazer (*1965, London/GB)  arbeitete nach einem Abschluß in Theaterdesign als Theaterregisseur und in der Produktion von Film- und TV-Trailern, u.a. für die BBC. Als gefrager Regisseur von Videoclips (u.a. Jamiroquai, Massive Attack, Radiohead) und Werbespots für Großkonzerne machte er sich international einen Namen. Bislang realisierte er erst drei Kinolangfilme: den Kult-Krimi SEXY BEAST(2000) mit Ray Winstone und Ben Kingsley, BIRTH(2004), mit Nicole Kidman, und UNDER THE SKIN(2013), mit Scarlett Johansson als irritierendes Alienin in der freien Adaption des gleichnamigen Science-Fiction-Romans von Michael Faber. Der Film schaffte es 2017 auf Platz 61 der von namhaften internationalen Filmkritikern zusammengestellten BBCListe der 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts. An seinem 4. Langfilm THE ZONE OF INTEREST arbeitete er 10 Jahre.

“Ein gnadenloses Meisterwerk.“_(BBC)
“Ein künstlerischer Triumph.“_(Spiegel.de)
"Der Film ist eine Zumutung. Eine enorm wichtige. Sandra Hüller ist atemberaubend.“_(3sat Kulturzeit)
„Jonathan Glazer hält es in seinem vierten Film mit Primo Levi, der überzeugt war, dass man dem Holocaust nicht direkt ins Gesicht blicken kann. Glazer eröffnet die Innenansicht einer obszönen Idylle. Er nähert sich dem Zivilisationsbruch, indem er seinen Blick wagemutig auf den Alltag der Familie von Rudolf Höß konzentriert. Das Ausgesparte ist hier unentrinnbar.(...) Spätestens dieses Porträt einer Nazi-Familie weist Jonathan Glazer als einen der wichtigsten britischen Regisseure aus.“_(epd-film (1))
"Regisseur Jonathan Glazer will mit dem Film den Fokus auf Täter*innen, vor allem aber auch auf die Peripherie des Lagers, auf die Zuschauenden und Umstehenden, legen. Dabei verzichtet der Film auf Psychologisierungen und stellt Familie Höß in größtmöglicher 'Banalität' und 'Belanglosigkeit' dar.“_(VisionKino)
„Dem Regisseur Jonathan Glazer ist mit THE ZONE OF INTEREST etwas Außergewöhnliches gelungen. Er zeigt uns die Täter in ihrer familiären Alltäglichkeit. Um die Figuren zu entwickeln, hat er sich an den Zeugenaussagen von Überlebenden orientiert, die im Hause des Lagerkommandanten zwangsweise beschäftigt waren. Kontrapunktisch zu den historisch genau gezeichneten Figuren setzt er ungewöhnliche Stilmittel ein (…). Die Täter werden im Film nicht als Monstren gezeichnet, sondern als Menschen, in denen wir uns selbst auf unheimliche Weise wiedererkennen. An ihnen erfassen wir, welche Gewalt Menschen einander antun können.  THE ZONE OF INTEREST  ist ein Film über das Wegsehen und darin höchst aktuell. Er zeigt uns die Leichtigkeit, mit der die Protagonisten die Verbrechen, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe abspielen – mehr als 1,1 Millionen Menschen, darunter etwa eine Million Juden, wurden in Auschwitz ermordet –, um der eigenen Behaglichkeit willen aus ihrem Bewusstsein ausblenden.“_(Jury der Evangelischen Filmarbeit – Film des Monats März 2024)
„Mit “The Zone of Interest“hat Jonathan Glazer ein erschütterndes filmisches Mahnmal geschaffen, das wie kein anderer Spielfilm die Obszönität der »Banalität des Bösen« offenlegt. (…) Der Film erzählt in schier unerträglicher Präzision von der menschlichen Fähigkeit, eigene Schuld und unendliches Grauen in unmittelbarer Nähe zu ignorieren. THE ZONE OF INTEREST  sehr frei nach dem Roman von Martin Amis, ist nun so etwas wie die konsequente Fortführung von Glazers Werk und seinen Motiven, stellt aber zugleich eine weitere kühne formale Zuspitzung dar – im Versuch, sich dem unfassbaren Grauen der deutschen Vernichtungslager zu nähern, ohne dabei auf eingeübte filmische Formeln zurückzugreifen. Mehr noch als in den früheren Filmen ist hier die Oberfläche des Geschehens, obwohl sie historisch genau recherchiert und akribisch rekonstruiert ist, ein Trugbild (…).“_(epd-film(2, Portrait))
„Das historische Drama fußt auf dem gleichnamigen Roman von Martin Amis und seziert in nüchternen, undramatischen Bildern die verstörende Normalität der Täter, die sich im Schatten der Todesfabrik ein Paradies erschaffen haben. Die Radikalität und Wucht des schockierenden Films resultieren aus seinen schwer erträglichen Kippbildern zwischen Alltag und Schrecken, in die die Realität der Vernichtung nur über die Tonspur dringt. "_(filmdienst.de)
“ “The Zone of Interest“ sticht aus den Filmen über den Holocaust heraus. Statt Grauen zu zeigen, macht er Schrecken hörbar.(...) Mit der soundlichen Allgegenwärtigkeit des Verbrechens, das sich mit dem Schall über Sichtgrenzen hinweg ausbreitet, macht Glazer so auch dessen moralische Allgegenwärtigkeit deutlich: Nur weil man etwas nicht (mehr) sieht, ist es noch lange nicht verschwunden.“_(taz/tageszeitung)
„Christian Friedel spielt ganz hervorragend Rudolf Höß – die größte Sensation aber ist die atemberaubende Sandra Hüller als Hedwig. Historiker wissen, dass sie viel fanatischer, kälter, grausamer war als ihr Mann und Hüller ist grandios als eiskaltes Monster, das aber in sich eine schlüssige Figur ist. Eine Frau, die einfach nur ein "schönes", glückliches Zuhause möchte, ein Idyll für sich und ihre Kinder mitten im Horror. Diesen Widerspruch nicht nur auszuhalten, sondern auch darzustellen, schafft Sandra Hüller eindrucksvoll.“_(kulturzeit, 3Sat)

(THE ZONE OF INTEREST) | Großbritannien / USA / Polen 2023 | fiktionale Form | Regie / Drehbuch: Jonathan Glazer, nach der gleichn. Romanvorlage (2014/15) von Martin Amis (1949 – 2023); Produktion James Wilson/Ewa Puszcyńska; Executive Producers Reno Antoniades/Len Blavatnik/Danny Cohen/Tessa Ross/Ollie Madden/Daniel Battsek/David Kimbangi; Kamera: Łukasz Żal; Szenenbild Chris Oddy; Kostümbild Małgorzata Karpiuk; Schnitt:Paul Watts; Musik: Mica Levi; Musik Supervisor: Bridget Samuels; Visuelle Effekte Guillaume Ménard; Postproduktion: Richard Lloyd; Casting Simone Bär; DarstellerInnen: Christian Friedel (Rudolf Höß), Sandra Hüller (Hedwig Höß), Johann Karthaus (Claus Höß), Luis Noah Witte (Hans Höß), Nele Ahrensmeier(Inge-Birgit Höß), Lilli Falk(Heideraud Höß), Anastazja Drobniak/Cecylia Pękala/Kalm an Wilson (jew.: Annagret Höß), Julia Polaczek (Aleksandra Bystroń- Kołodziejczyk), Imogen Kogge, Medusa Knop, Zuzanna Kobiela, Martyna Poznańska, Stephanie Petrowitz, Max Beck und Andrey Isaev u.a.| DCP | Farbe | DD 5.1 | OF (deutsch/ teilw. UT) | Pädagogische Empfehlungen:(1. VisionKino): ab 16 Jahre/Klassenstufe: ab 11. Klasse | FSK-Deskriptoren: 'belastende Themen' | FSK: 12 J.,f | 104 Min.

EP: € 5.00
Mitgl.: € 3.00

BITTE BEACHTEN (WEITWINKEL-Kommunales Kino e.V.):


- Karten zum WW-Kino derzeit nur an 
der Tages- (bei Matinee u. Kinderkino)
und an der Abendkasse jeweils vor der Veranstaltung.

- Nur Barzahlung.

- (Derzeit) KEINE Kartenreservierungen.

- Einlass ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

- Alle Filme i.d.R. mit einer Einführung und Trailern (zzgl.)

- Programmänderung vorbehalten.

Zurück